umlibris - An Berliner Kinder (Joachim Ringelnatz)

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Preis:

€ 15,90







Beschreibung


Produktnummer: 1262



An Berliner Kinder
Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben,
Wenn ihr schlafen gehen müßt?
Und sie angeblich noch Briefe schreiben.
Ich kann’s euch sagen: Da wird geküßt,
Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen,
Da schleichen verdächtige Gäste herbei.
Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen
Bis zur Papagei-Sodomiterei.
Da wird hasardiert um unsagbare Summen.
Da dampft es von Opium und Kokain.
Da wird gepaart, daß die Schädel brummen.
Ach schweigen wir lieber. - Pfui Spinne, Berlin!
(Joachim Ringelnatz, 1883-1943)


Größe:
M (medium), Innenmaße: 21,5 x 33 cm
Passend für handelsübliche gebundene Bücher und dicke Taschenbücher.

Buchumschlag umlibris
Passend für alle Taschenbücher und gebundenen Bücher: Sie lesen gern, oft und überall. Sie nehmen Ihr Buch mit in die Bahn, auf den Flieger, an den Strand. In die Handtasche gestopft, in den Koffer geworfen. Wenn es Ihnen darüber hinaus nicht egal ist, wie Ihr Buch aussieht, wenn Sie mit ihm fertig sind, haben wir eine gute Nachricht: Es gibt umlibris.

Material:
Reiner, edler Cotton Satin, in Deutschland gewebt und im eigenen Betrieb verarbeitet. Bedruckt im Siebdruckverfahren mit lösungsmittelfreien Farben. Anschließend hitzefixiert.

Pflegehinweis:
Waschbar bei 30° in der Waschmaschine. Buntwaschmittel ist empfehlenswert.

Über den Dichter:
Joachim Ringelnatz kam am 7. August 1883 als Hans Bötticher in Wurzen zur Welt. Der Vater war Chefmusterzeichner in einer Wurzener Tapetenfirma. Vier Jahre später zog Familie Bötticher in die Messe- und Buchstadt Leipzig in die Straße „An der Alten Elster“. Für den kleinen Hans war der Fluss „Alte Elster“ ein beliebter Abenteuerspielplatz.

Der stets zu Streichen aufgelegte Junge wuchs in einem toleranten Elternhaus auf.
Der Vater war stolz auf die dichterischen Fähigkeiten seines Sohnes. Der kleine Bötticher trug auf Familienfeiern originelle kleine Gedichte und Geschichten vor. 1905 schloss der Bötticher sein großes Atelier in der Fregestraße und arbeitete als freier Schriftsteller, veröffentlichte vorwiegend in Reclams Universalbibliothek.

Die Schulzeit ist Ringelnatz stets in unangenehmer Erinnerung geblieben. Das aufmüpfige Kind litt unter den Strafen der Lehrer. Der Besuch des Königlich-Sächsischen Gymnasiums endete für Hans Bötticher vorzeitig: Den 14jährigen Gymnasiasten hatte eine so genannte Völkerschau im nahegelegenen Leipziger Zoo begeistert. Später erinnert er sich: „... Ich befand mich in den Pubertätsjahren und konnte mich an den bronzefarbenen, dunkelhaarigen Frauen nicht satt sehen. Da mein kleines Taschengeld für Geschenke nicht ausreichte, entwendete ich zu Hause nach und nach unseren gesamten Christbaumschmuck“.
Die beschenkten Samoanerinnen dankten dem Halbwüchsigen mit einem „H“ auf dem Arm, das er sich während der Hofpause tätowieren ließ. Hans Bötticher wurde auf die Tollersche Erziehungsanstalt strafversetzt. Das dort abgelegte Reifezeugnis berechtigte ihn zum „Einjährig Freiwilligen Militärdienst“. 1901 ging der lang gehegte Traum von der Seefahrt in Erfüllung. Der Vater hatte ihm eine Lehrstelle auf dem Segelschiff „Elli“ verschafft. Als Schiffsjunge bereiste er Venedig, Konstantinopel, Liverpool, Rio de Janeiro und viele andere Orte. Doch das Abenteuerleben und die Freiheit des Matrosen wurden von den miserablen Arbeitsbedingungen auf See überschattet. Seine Erlebnisse zur See veröffentlichte er 1910/1911 im „Schiffsjungen-Tagebuch“.

Nach Entlassung als Bootsmaat begann er eine Kaufmannslehre in Hamburg. In dieser Zeit begann der Dichter zu schreiben und zu malen. Doch das Angestelltenleben wurde ihm zu langweilig; er kündigte und begab sich auf Reisen nach England. Der fahrende Musikant endete schließlich als Obdachloser im Gefängnis von Antwerpen.

Nachdem sich Hans Bötticher mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten wie Schaufensterdekorateur, Buchhalter, Hausbibliothekar und Fremdenführer über Wasser hielt, kam er 1909 nach München. Dort entdeckte Ringelnatz das Künstlerlokal „Simpl“ (Simplicissimus), wo sich die Boheme der Zeit traf: Frank Wedekind, Klabund, Hermann Hesse, Erich Mühsam und andere. Hier begann seine literarische Karriere. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete sich der 31jährige Bötticher als Freiwilliger zur Kriegsmarine. Anfänglich erfüllt von der Verherrlichung der kaiserlichen Marine, erlebte er den schikanierenden Alltag auf einem Minensuchboot. Den Querulant Bötticher schob die Marine schließlich auf den Außenposten einer Luftabwehr-Maschinengewehrabteilung bei Cuxhaven ab. Nach dem Krieg erlebte der 35jährige ein schweres Nachkriegsjahr mit Hunger und anderen Entbehrungen. Ende 1919 wurde aus Hans Bötticher schließlich Joachim Ringelnatz. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte er künftig seine Werke als Dichter und Maler. Ob das Pseudonym „Ringelnatz“ nun an das Seepferdchen, seemännisch „Ringelnass“, erinnern sollte oder als poetisches Gedenken an seinen „Schlangenzoo“ gedacht war, ließ der Dichter im Unklaren. Es sei ihm „so eingefallen“. In der Nachkriegszeit entstehen die „Turngedichte“ und die „Kuttel Daddeldu“-Poeme“. An seinem 37. Geburtstag 1920 heiratet er mittellos seine 15 Jahre jüngere Frau Leonharda Pieper, von ihm liebevoll Muschelkalk genannt, in München. Ringelnatz‘ Karriere als Vortragskünstler begann in der Berliner Kleinkunstbühne „Schall und Rauch“.

Mit dem Vortragen seiner Gedichte verdiente der Autor als „reisender Artist“ in den 20er Jahren seinen Lebensunterhalt. Er trat in allen großen Städten Deutschlands, in Prag, in Zürich und Wien als Kabarettist auf. Mit dem Seemann „Kuttel Daddeldu“ schuf Ringelnatz eine neue Kunstfigur des literarischen Kabaretts. Seine abwechslungsreichen Programme begeisterten das Publikum.
Joachim Ringelnatz schrieb zwischen 1910 und 1934 fast 20 Bücher: Gedichtbände, zwei Autobiografien, Romane, Bühnenstücke und nicht zu vergessen seine Kinderbücher.

Mit Machtantritt der Nationalsozialisten wurden seine Bücher auf den Index gesetzt; Ringelnatz erhielt Bühnenverbot. Sein letzter öffentlicher Auftritt war anlässlich seines 50. Geburtstages bei der Feier im Hotel Kaiserhof. Da war er schon an einer lang verschleppten Tuberkulose erkrankt. 1934 wenden sich seine Freunde (Asta Nielsen, Paul Wegener, Ernst Rowohlt, Renee Sintensis u.a.) mit einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit, um ihm einen Krankenhausaufenthalt zu ermöglichen.
Im Oktober 1934, unheilbar krank aus der Lungenheilstätte entlassen, stirbt Joachim Ringelnatz am 17. November in seiner Berliner Wohnung. Die Grabplatte aus Muschelkalk auf dem Waldfriedhof an der Heerstraße trägt die von Renée Sintenis gezeichneten Worte:“ Joachim Ringelnatz“.



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