Beschreibung
Produktnummer: 1268
Die Bürgschaft
Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."
"Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen."
Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
"Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh' du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen."
Und er kommt zum Freunde: "Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande."
Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.
Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Des Gewölbes krachenden Bogen.
Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.
Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
"O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen."
Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde um Stunde entrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.
Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubet Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.
"Was wollt ihr?" ruft er vor Schrecken bleich,
"Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
"Um des Freundes willen erbarmet euch!"
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.
Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
"O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"
Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.
Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
" Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."
Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:
"Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."
"Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!"
Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
"Mich, Henker", ruft er, "erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"
Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,
Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte!"
(Friedrich von Schiller, 1759-1805)
Größe:
L (large) Innenmaße: 25 x 40 cm
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Buchumschlag umlibris
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Pflegehinweis:
Waschbar bei 30° in der Waschmaschine. Buntwaschmittel ist empfehlenswert.
Über den Dichter:
Am 10. November 1759 wurde Johann Christoph Friedrich Schiller in Marbach als Sohn des Intendanten Johann Caspar geboren. 1766 tritt er nach Besuch der Lorcher Dorfschule in die Ludwigsburger Lateinschule ein. Nach einer Weisung des Herzogs Karl Eugen studierte Schiller seit 1773 zunächst Jura, ab 1775 dann Medizin. Schiller machte sich in dieser Zeit mit der Lektüre zahlreicher Dichter und Philosophen vertraut, darunter auch Klopstock und Lessing.
Der Stürmer und Dränger:
Unter dem Einfluß der Aufklärung nahm Schiller 1777 die Arbeit an den Räubern auf (1781 anonym erschienen). Schiller nahm damit eine zentrale Rolle des Sturm und Drangs ein. 1780 schloß er die Militärakademie im zweiten Anlauf mit der Dissertation Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen ab. Nachdem er Stuttgart zweimal unerlaubt verlassen hat, im Januar 1782 zur Uraufführung seiner Räuber nach Mannheim und im Mai des gleichen Jahres ein weiteres Mal nach Mannheim, erhält Schiller zwei Wochen Arrest und Schreibverbot.
In Begleitung seines Freundes A. Streicher flüchtet Schiller aus Stuttgart und taucht zunächst in Mannheim unter. Hier nimmt der die Arbeit an Luise Millerin, das später in Kabale und Liebe umbenannt wurde, auf. 1783 wird Luise Millerin fertiggestellt. Schiller erhält für ein Jahr eine Anstellung als Theaterdichter in Mannheim. Eine zweite Fassung seines Fiesko, ein historisches Drama, brachte keinen Erfolg. Erst mit der Aufführung von Kabale und Liebe 1784 stellte sich der ersehnte Erfolg ein. Schiller wird daraufhin Mitglied der Kurfürstlichen Deutschen Gesellschaft und hält seine Antrittsrede Vom Wirken der Schaubühne auf das Volk, die 1802 überarbeitet als Die Schaubühne als moralische Anstalt erscheint. Nachdem sein Anstellungsvertrag am Mannheimer Theater nach einem Jahr auslief und nicht verlängert wurde, geriet Schiller in finanzielle Schwierigkeiten.
1785 wurde er von seinem Verehrer und späteren Freund Christian Gottfried Körner aufgenommen. Zwischen 1785 und 1787 hielt sich Schiller vorwiegend in Leipzig und Dresden auf. In dieser Zeit konnten nur wenige Werke beendet werden, darunter die Ode An die Freude, die später von Beethoven vertont wurde, und Don Carlos. Im Juli 1787 verläßt Schiller Dresden und übersiedelt nach Weimar.
Der Klassiker
In der Zeit von Juli 1787 bis Mai 1788 hält sich Schiller in Weimar auf. Dort macht er Bekanntschaft mit Johann Gottfried von Herder und Christoph Martin Wieland. Schiller wird für diese Zeit Mitarbeiter von Wielands Zeitschrift Der Teutsche Merkur. Im Winter 1788 besucht Schiller Süddeutschland und lernt Charlotte von Lengefeld kennen, die er am 22. Februar 1790 heiratete. Schiller beschäftig sicht intensiv mit historischen Studien, daraus resultierte auch die Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der Spanischen Regierung (1788), um seine finanzielle Lage zu verbessern.
Im selben Jahr lernte er Goethe kennen. 1789 wird Schiller zum Professor für Geschichte an die Universität Jena berufen. Seine Antrittsvorlesung Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte? wurde von den Studenten mit großer Begeisterung aufgenommen. 1790 erhält Schiller eine jährliche Pension vom Herog Karl August von Weimar, um die geplante Hochzeit mit Charlotte von Lengefeld zu ermöglichen.
Schiller erkrankt im selben Jahr auch an einer schweren Lungenentzündung, von der er sich nie mehr richtig erholen wird. Durch die Krankheit geriet er wieder in finanzielle Schwierigkeiten. 1791 erhielt er Besuch vom dänischen Dichter Baggesen, der sich bei seiner Regierung für ihn einsetze und diese ihm schließlich eine dreijährige Pension gewährt, die nach Ablauf noch zwei weitere Jahre verlängert wurde. In seiner Jenaer Zeit setzte sich Schiller vor allem mit den Werken Immanuel Kants auseinander, dessen idealistische Philosophie Schillers Ästhetik in seiner klassischen Periode maßgeblich beeinflußte. 1792 wird Schiller von der Französischen Republik zum französischen Ehrenbürger ernannt.
Außerdem erleidet er einen Rückfall seiner Krankheit, die ihn zwingt seine Lehrtätigkeit auszusetzen. Zu Beginn des Jahres 1793 kann Schiller seine Vorlesungen wieder aufnehmen. Sein Sohn Carl wird geboren. Schiller gründet die literarische Zeitschrift Die Horen.
Das Jahrzehnt mit Goethe
1794 kam es zu verschiedenen Begegnungen, u.a. mit Hölderlin, Johann Gottlieb Fichte und Wilhelm von Humboldt. Auch mit Johann Wolfgang von Goethe kam es zu einer Annäherung, indem er ihn als Mitarbeiter für seine Zeitschrift Die Horen gewann. Zwischen Goethe und Schiller entwickelte sich eine immer stärker werdende Freundschaft. Schiller besuchte den 10 Jahre älteren Kollegen in Weimar mehrere Male. Zwischen Goethe und Schiller besteht in dieser Zeit ein reger Briefwechsel. 1796 erschienen die aus gemeinsamer Arbeit zwischen beiden resultierten Xenien in Schillers Muselalmanach.
Im Dezember 1799 übersiedelte er mit seiner Familie nach Weimar. Dort wurde er Mitarbeiter des Weimarer Theaters. In rascher Abfolge entstanden nun die Theaterstücke Maria Stuart (1800), Die Jungfrau von Orleans (1801), Die Braut von Messina (1803) und Wilhelm Tell (1804).
Seine Arbeit am Drama Demetrius konnte nicht mehr vollendet werden. Schiller starb am 9. Mai 1805 infolge eines schweren Rückfalls seiner ein Jahr zuvor erneut ausgebrochenen Krankheit. Sein Name ist untrennbar mit dem Begriff Freiheit verbunden.
Ein Muss deshalb die schönste Geschichte über Freundschaft und Loyalität – Die Bürgschaft – auf einem umlibris Größe L.