Beschreibung
Produktnummer: 1638
Neuer Frühling I
Unterm weißen Baume sitzend,
Hörst du fern die Winde schrillen,
Siehst, wie oben stumme Wolken
Sich in Nebeldecken hüllen;
Siehst, wie unten ausgestorben
Wald und Flur, wie kahl geschoren; -
Um dich Winter, in dir Winter,
Und dein Herz ist eingefroren.
Plötzlich fallen auf dich nieder
Weiße Flocken, und verdrossen
Meinst du schon, mit Schneegestöber
Hab der Baum dich übergossen.
Doch es ist kein Schneegestöber,
Merkst es bald mit freudgem Schrecken;
Duftge Frühlingsblüten sind es,
Die dich necken und bedecken.
Welch ein schauersüßer Zauber!
Winter wandelt sich in Maie,
Schnee verwandelt sich in Blüten,
Und dein Herz es liebt aufs neue.
(Heinrich Heine, 1797-1856)
Größe:
M (medium), Innenmaße: 21,5 x 33 cm
Passend für handelsübliche gebundene Bücher und dicke Taschenbücher.
Buchumschlag umlibris
Passend für alle Taschenbücher und gebundenen Bücher: Sie lesen gern, oft und überall. Sie nehmen Ihr Buch mit in die Bahn, auf den Flieger, an den Strand. In die Handtasche gestopft, in den Koffer geworfen. Wenn es Ihnen darüber hinaus nicht egal ist, wie Ihr Buch aussieht, wenn Sie mit ihm fertig sind, haben wir eine gute Nachricht: Es gibt umlibris.
Material:
Reiner, edler Cotton Satin, in Deutschland gewebt und im eigenen Betrieb verarbeitet. Bedruckt im Siebdruckverfahren mit lösungsmittelfreien Farben. Anschließend hitzefixiert.
Pflegehinweis:
Waschbar bei 30° in der Waschmaschine. Buntwaschmittel ist empfehlenswert.
Über den Dichter:
Christian Johann Heinrich Heine, geb. am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf als Harry Heine; gest. am 17. Februar 1856 in Paris, war einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Journalisten des 19. Jahrhunderts.
Heine gilt als „letzter Dichter der Romantik“ und gleichzeitig als deren Überwinder. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Sprache eine zuvor nicht gekannte, elegante Leichtigkeit. Als kritischer, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war er ebenso bewundert wie gefürchtet. Er gehört zu den am häufigsten übersetzten Dichtern deutscher Sprache.
Er war das älteste von vier Kindern des Tuchhändlers Samson Heine und seiner Frau Betty, geborene van Geldern. Er wuchs in einem weitgehend assimilierten, jüdischen Elternhaus auf. Schon als Schüler schrieb Harry erste Gedichte. 1814 verließ er das Lyzeum ohne Abgangszeugnis. Der Familientradition folgend sollte er sich an einer Handelsschule auf einen kaufmännischen Beruf vorbereiten.
In den Jahren 1815 und 1816 arbeitete Heine als Volontär zunächst bei dem Frankfurter Bankier Rindskopff. 1816 wechselte er ins Bankhaus seines wohlhabenden Onkels Salomon Heine in Hamburg. Salomon, der im Gegensatz zu seinem Bruder Samson geschäftlich höchst erfolgreich war, nahm sich des Neffen an; bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1844 unterstützte er ihn finanziell, obwohl er wenig Verständnis für dessen literarische Interessen hatte.
Da Heine weder Neigung noch Talent für Geldgeschäfte mitbrachte, richtete sein Onkel ihm schließlich ein Tuchgeschäft ein. Aber „Harry Heine & Co.“ musste schon nach kurzer Zeit Bankrott anmelden. Der Inhaber widmete sich schon damals lieber der Dichtkunst. Dem Familienfrieden nicht eben zuträglich war auch Harrys unglückliche Liebe zu seiner Cousine Amalie. Die unerwiderte Zuneigung verarbeitete er später in den romantischen Liebesgedichten im Buch der Lieder.
Obwohl Heine sich auch für die Rechtswissenschaft nicht sonderlich interessierte, nahm er 1819 ein Jurastudium auf. Zunächst schrieb er sich in Bonn ein, wo er aber nur eine einzige juristische Vorlesung belegte.
Im Jahr 1826 veröffentlichte Heine den Reisebericht Harzreise, der sein erster großer Publikumserfolg wurde.
Im gleichen Jahr begann seine Geschäftsbeziehung zu dem Hamburger Verlag Hoffmann und Campe. Julius Campe sollte bis zu Heines Tod sein Verleger bleiben. Er brachte im Oktober 1827 den Lyrikband Buch der Lieder heraus, der Heines Ruhm begründete und bis heute populär ist. Aber Heine überwand den romantischen Ton bald, indem er ihn ironisch unterlief und die Stilmittel des romantischen Gedichts auch für Verse politischen Inhalts nutzte. Er selbst nannte sich einen „entlaufenen Romantiker“.
Heine selbst erlebte das Meer zum ersten Mal in den Jahren 1827 und 1828 auf Reisen nach England und Italien. Seine Eindrücke schilderte er in weiteren Reisebildern, die er zwischen 1826 und 1831 veröffentlichte. Dazu gehören z. B. der Zyklus Nordsee und die Werke Die Bäder von Lucca und Ideen. Das Buch Le Grand, letzteres ein Bekenntnis zu Napoléon und den Errungenschaften der Französischen Revolution. In dieser Zeit wurde Heine allmählich als großes literarisches Talent wahrgenommen. Seit Anfang der 1830er Jahre verbreitete sich sein Ruhm in Deutschland und Europa.
Pariser Jahre
Wegen seiner politischen Ansichten zunehmend angefeindet – vor allem in Preußen – und der Zensur in Deutschland überdrüssig, ging Heinrich Heine 1831, nach dem Ausbruch der französischen Julirevolution, nach Paris. Hier begann seine zweite Lebens- und Schaffensphase. Zeit seines Lebens sollte Heine sich nach Deutschland sehnen. Doch er sollte dieses Vaterland nur noch zweimal wiedersehen. Endgültig wurde Paris zu Heines Exil, als seine Werke – auch alle zukünftigen – 1833 in Preußen und 1835 auf Beschluss des Frankfurter Bundestages in allen Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes verboten wurden. Für Heine tat sich aber schon 1832 eine neue Einnahmequelle als Pariser Korrespondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung von Johann Friedrich Cotta auf, dem Verleger Schillers und Goethes. Seine Zeitungsartikel aus dieser Zeit veröffentlichte er 1833 in Buchform unter dem Titel Französische Zustände.
Im selben Jahr zeigten sich die ersten Symptome der Krankheit – Lähmungserscheinungen, Kopfschmerzattacken und Sehschwächen –, die ihn am Ende seines Lebens acht Jahre ans Bett fesseln sollte. Zunächst aber genoss er das Leben in Paris. Er begegnete etwa dem utopischen Sozialisten Saint-Simon und Größen des französischen und deutschen Kulturlebens wie Hector Berlioz, Ludwig Börne, Frédéric Chopin, George Sand, Alexandre Dumas und Alexander von Humboldt.
Die Weltstadt inspirierte Heine in den folgenden Jahren zu einer Flut von Essays, politischen Artikeln, Polemiken, Denkschriften, Gedichten und Prosawerken. Ludwig Börne (1786-1837), der zu Lebzeiten größere Bekanntheit als Heine genoss, hatte ihm mehrfach Gesinnungsmangel und Opportunismus vorgeworfen. Heine hingegen verstand sich in besonderem Maße als freier, unabhängiger Journalist und fühlte sich deshalb Zeit seines Lebens keiner politischen Strömung verpflichtet.
1843 schrieb Heine sein Gedicht Nachtgedanken, das mit den oft zitierten Worten beginnt:
Denk’ ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Er verband darin die Sorge um die politischen Zustände in Deutschland mit der um seine dort allein lebende, verwitwete Mutter. Nicht zuletzt um sie wiederzusehen und ihr seine Frau vorzustellen, unternahm Heinrich Heine 1843 und 1844 seine zwei letzten Reisen nach Deutschland. Dabei lernte er auch Karl Marx und Ferdinand Lassalle kennen.
Heine und der Marxismus
Zu Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts radikalisierte sich Heines Ton zusehends. Er gehörte zu den ersten deutschen Dichtern, die die Folgen der einsetzenden Industriellen Revolution zur Kenntnis nahmen und das Elend der neu entstandenen Arbeiterklasse in ihren Werken aufgriffen.
Als überzeugter Demokrat begrüßte Heine 1848 die Revolutionen in ganz Europa, insbesondere die Märzrevolution in den Staaten des Deutschen Bundes. Dort wurde unter dem Vorzeichen des Liberalismus ein demokratisch verfasster, deutscher Nationalstaat gefordert. Von der Entwicklung in Deutschland wandte er sich jedoch bald enttäuscht ab, da die Verfechter einer republikanisch-demokratischen Staatsform sowohl in den neu besetzten Kammerparlamenten als auch in der Frankfurter Nationalversammlung in der Minderheit blieben. Im Versuch des ersten gesamtdeutschen Parlaments, eine Monarchie unter einem erblichen Kaisertum zu schaffen, sah er nur politisch untaugliche, romantische Träumereien von einer Wiederbelebung des 1806 untergegangenen Heiligen Römischen Reichs.
Im selben Monat, in dem die Revolution in Paris ausbrach, im Februar 1848, erlitt Heine einen Zusammenbruch. Sein Nervenleiden, das sich seit 1845 zusehends verschlimmert hatte, warf ihn nun endgültig aufs Krankenlager. Heine selbst war der Überzeugung, an Syphilis erkrankt zu sein. Dagegen sprach jedoch, dass er bis zu seinem Tode bei klarem Verstand blieb. Eine Untersuchung von Haaren des Dichters im Jahr 2003 ergab, dass er an einer chronischen Bleivergiftung gelitten hat. Fast vollständig gelähmt, sollte er die acht Jahre bis zu seinem Tod in der von ihm so bezeichneten „Matratzengruft“ verbringen.
Trotz seines Leidens kamen Heine jedoch Humor und Leidenschaft nicht abhanden.
In den Jahren vor seinem Tod gelangte Heine zu einer milderen Beurteilung der Religion. In seinem Testament von 1851 bekannte er :
„Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konfession angehöre, wünsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern. Dieser Wunsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt und bin zu religiösen Ideen und Gefühlen zurückgekehrt; ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt …“
Heine polarisierte schon seine Zeitgenossen, nicht zuletzt, weil er selbst polarisierende Urteile nicht scheute. Er griff tatsächliche oder vermeintliche Gegner ebenso hart an wie er selbst angegriffen wurde und schreckte vor keiner Polemik zurück.
Am 17. Februar 1856 starb Heinrich Heine.